Aus unserem Züchter-Tagebuch.
Jedes Jahr die Entscheidung welche Hengste für unsere Stuten. Neben den Blutlinien ist uns das Gebäude der Hengste sehr wichtig, denn auch unsere Zuchtstuten haben Mängel, die es zu verbessern gilt. Wie gut haben sich die Fohlen vom letzten Jahr entwickelt - Soll man wechseln oder nochmal....Endlich tragend! Welch Glück, wenn die Stuten zeitnah aufnehmen, das erleichtert die Zusammenstellung der Gruppen sehr.
Hoffentlich geht alles gut! Wie schön ist dann das Erlebnis der Fohlengeburt - die Erlösung, wenn das Fohlen gesund und die Mutter wohlauf ist. Vergessen sind die Nachtwachen, die trotz Videoüberwachung sehr anstrengend sind. Wie spannend die Anrufe unserer auswärtigen Zuchtstationen mit der Nachricht Fohlengeburt ist gutgegangen, Fohlen gesund, Mutter wohlauf. Dann die ersten Schritte an der Seite der Mutter in der Halle - wie bewegt es sich - Vorsicht bei jungen Müttern! Oft sind sie übermütig, das Fohlen noch nicht flink genug. Also zuerst führen und erst später unter Aufsicht freilaufen lassen. Und die Flüge nach Hamburg ausgerüstet mit Videocamera für die Daheimgebliebenen.
Ein grosses Dankeschön unseren norddeutschen Züchterfreunden, die nun schon seit Jahren unsere auswärtigen Stuten betreuen von der Besamung bis zum Absetzen der Fohlen.
Wie gut, dass durch die künstliche Besamung der Transport der Stute mit dem jungen Fohlen zur Deckstation entfällt. Ein guter Tierarzt, eine gute Samenqualität und die Chancen einer weiteren Trächtigkeit der Stute ohne großen Aufwand und ohne Risiko für das Fohlen bei Fuß sind sehr aussichtsreich.
Nun das Brennen der Fohlen - unsere württ. Station ist ja ganz in der Nähe - also kein allzu grosser Aufwand. Unsere auswärtigen Fohlen werden auf dem Hof gebrannt - auch unsere .
Da wir unsere Fohlen selbst aufziehen ist es kein Beinbruch, wenn sie nicht prämiert werden, denn oft ist es Tagesform - und wer ist schon jeden Tag gut drauf? Ältere Fohlen sind zudem oft überbaut , manchmal schon so selbständig, dass sie sich einfach nicht wunschgemäß präsentieren.
Aber klar freuen wir uns über eine Fohlenprämie - und viele schöne Plaketten schmücken unsere Stalltüren. Auch Siegerfohlen konnten wir schon unser eigen nennen. Wie traurig ist dann der Moment des Absetzens, doch der Schmerz der Trennung ist schnell vergessen, man hat ja seine gleichaltrigen Freunde! Auch der Transport von Norddeutschland zur Fohlenweide wird zu mehreren im umgebauten LKW durchgeführt - zwei große Boxen mit viel Stroh, sodass sie sich während der langen Fahrt hinlegen können. Vorsicht : noch die LKW-Rampe runter und die schönen Jahre in der Herde beginnen.
Die Mütter sind nach 6 monatiger Aufzucht ganz froh, wenn sie wieder solo sind. Natürlich brauchen sie nach dem Absetzen mehr Bewegung und tägliche Kontrolle wegen der Gefahr einer Euterentzündigung. Sicher ist auch Trauer dabei, speziell bei den jungen Zuchtstuten. Aber die neue Trächtigkeit ist meist schon fortgeschritten und man hat ja seine Leidensgenossinnen.
Auch Pferdemütter erziehen ihre Sprösslinge - eine reinliche Stute gibt dies häufig an ihre Jungen weiter und natürlich auch umgekehrt! Auch sonstige Erziehung ist super, denn die Fohlen respektieren dann uns Menschen schon von früh an. Aber dies ist nicht immer so. z.B. unsere Choco Chanell, die Mutter von Charlottenhof’s Iberio ist eine zu liebe Mutter, alle ihre Fohlen haben Narrenfreiheit und natürlich müssen wir rechtzeitig eingreifen. Auch gibt sie über die Milch alle Energie an ihr Fohlen und deshalb bedarf es hier besonderer Zufütterung, damit sie selbst bei Kräften bleibt. Indiana hingegen ist eine sehr gute aber strenge Mutter, selbst ihre Hengstfohlen waren stets diszipliniert und sehr umgänglich.
Spannend sind die Besuche unserer Aufzuchtbetriebe um die 2- und 3-jährigen zu begutachten. Zu zweien geht’s ins große Paddock - Schritt/Trab/Gallopp. Es ist immer wieder ein Erlebnis zu beobachten, wie aus Fohlen Pferde werden.
Ein wenig traurig, aber auch hoffnungsvoll ist die Aufstallung der jungen Pferde zum Anreiten. Aber auch der Charlottenhof bietet große Koppeln und so gibt es immer wieder die Gelegenheit, sich mit seinen Kameraden auf der Weide zu tummeln.
Wenn dann früh oder später das Pferd einen neuen Besitzer bekommt, fällt der Abschied uns allen sehr schwer. Aber wir haben mit all unseren Möglichkeiten unseren Pferden eine schöne Aufzucht, eine gute Ausbildung und beste gesundheitliche Versorgung geboten und nach einem passenden neuen Partner gesucht. Nun müssen sie ihren eigenen Weg gehen - ob als Partner für den kleinen und großen Sport oder Freizeitkamerad.
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